{"id":162,"date":"2016-10-31T18:32:45","date_gmt":"2016-10-31T17:32:45","guid":{"rendered":"https:\/\/liebe-geht-durch-den-magen.de\/?p=162"},"modified":"2018-05-23T17:02:18","modified_gmt":"2018-05-23T15:02:18","slug":"im-labyrinth-eine-halloween-kurz-gruselgeschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/liebe-geht-durch-den-magen.de\/?p=162","title":{"rendered":"&#8220;Im Labyrinth&#8221; (Eine Halloween-Kurz-Gruselgeschichte)"},"content":{"rendered":"<p>Verdammt. Rechts oder links?<\/p>\n<p>Er blickte in zwei lange, dunkle G\u00e4nge. Schwei\u00dfperlen standen ihm auf der Stirn. Hinter sich h\u00f6rte er ein dumpfes, drohendes Schaben und Schrammen an den W\u00e4nden, das sich langsam und unaufh\u00f6rlich n\u00e4herte.<\/p>\n<p>Rechts oder links. Er musste sich jetzt entscheiden. Wenn er noch l\u00e4nger z\u00f6gerte, hatte es ihn so oder so. Weiter in Schockstarre zu verharren, war von allen L\u00f6sungen die schlechteste.<\/p>\n<p>Er wandte sich nach rechts und lief los. Hinein in das nur schwach und f\u00fcr ein paar Meter erhellte Ungewisse. Kaum hatte er zehn Meter hinter sich gelassen, hatte die Schw\u00e4rze der G\u00e4nge die Biegung hinter ihm bereits wieder verschluckt. Er sah zur\u00fcck. Es war nichts zu sehen. Aber er wusste, dass es da war und er Boden verlieren w\u00fcrde, wenn er sein Tempo verringerte.<\/p>\n<p>Apropos Boden: Er richtete seinen Blick wieder nach vorne und bemerkte voller Schrecken, dass sich vor ihm ein Loch auftat. Er war immer noch in vollem Lauf. Instinktiv setzte er an und sprang. In der Hoffnung, genug Schwung mitzunehmen, um den Abgrund zu \u00fcberwinden und auf der anderen Seite sicher zu landen. Hart sp\u00fcrte er den Boden wieder unter seinem Fu\u00df, als er aufsetzte und sich gerade noch abfangen konnte, um nicht hinzufallen. Er trudelte. Stand. Kurz hielt er inne. Keuchte. Versuchte, wieder zu Kr\u00e4ften zu kommen. Als hinter ihm\u00a0das unheilvolle Ger\u00e4usch wieder lauter zu werden schien. Abgr\u00fcnde schienen seinem Verfolger nichts anhaben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Irgendwo musste doch dieser verflixte Ausgang sein. Im fahlen Licht, das alle G\u00e4nge gleichsam, aber nur m\u00e4\u00dfig erhellte, konnte er in ein paar Metern Entfernung eine erneute Kreuzung ausmachen. Er musste weiter. Vielleicht erreichte er dort das rettende Ziel.<\/p>\n<p>Schnell hastete er durch den schmalen Tunnel. Wie hatte er nur in diese Situation geraten k\u00f6nnen? Es war ein ganz normaler Tag gewesen und jetzt eilte er durch die Dunkelheit ohne zu wissen, wann und ob er sich aus dieser misslichen Lagen befreien konnte.<\/p>\n<p>Erneut gabelte sich vor ihm sein Weg. Dieses Mal entschied er sich f\u00fcr links und bereute seine Wahl noch in dem Moment, als um die Ecke bog. Vor ihm schossen hei\u00dfe Feuerfont\u00e4nen abwechselnd aus dem Boden. Er wollte sich umdrehen und doch den rechten Weg einschlagen \u2013 ja, Ironie des Schicksals, dachte er, w\u00e4re er doch gar nicht erst vom rechten Weg abgekommen -, aber pl\u00f6tzlich versperrte ihm dort, wo eben noch der Gang gewesen war, eine Wand den Zugang. Das Labyrinth hatte eine Schotte dichtgemacht.<\/p>\n<p>Das Schnaufen und \u00c4chzen hinter ihm wurde wieder lauter. Er hatte nun keine Wahl mehr: Wenn er sich nicht schleunigst durch die Feuerh\u00f6lle wagte, w\u00fcrde ihn das Etwas hinter ihm einholen. Er atmete tief ein, versuchte in wenigen Augenblicken zu ergr\u00fcnden, ob die peitschenden Salven nach einem bestimmten Muster aufflammten, und lief los. Ein Sprung nach rechts, ein Satz nach links. Er sp\u00fcrte, wie die Flammen an seinem Arm z\u00fcngelten, begierig darauf, sich neue Nahrung zu holen. Nicht beachten, dachte er, einfach nicht beachten. Er konzentrierte sich auf jede seiner Bewegungen und schl\u00e4ngelte sich schneller und geschmeidiger, als er es sich selbst vorher zugetraut hatte, durch die Feuersbrunst.<\/p>\n<p>Er hatte das Inferno gerade erst hinter sich gelassen, da sp\u00fcrte er den hei\u00dfen Atem in seinem Nacken. Nein. Es konnte ihn doch nicht schon eingeholt haben! Das war unm\u00f6glich. Doch. Da war es wieder. Ein Schnaufen und Raunen. Er sp\u00fcrte etwas Feuchtes in seinem Nacken. Etwas Kaltes. Und gleichzeitig war es warm und mit ihm kam ein Hauch von Verwesung. Es war nun ganz nah. Wo war der Ausgang? Ich muss hier raus! Ich muss hier raus!<\/p>\n<p>Er erwachte schwei\u00dfgebadet, als Mio\u00a0&#8211; seine gutm\u00fctige Deutsche Dogge \u2013 mit fiesen Hundemaul-Morgengeruch ihm sanft \u00fcber den Nacken leckte, um das Salz von seiner Haut zu schlabbern. Und er schwor sich: Nie wieder zu viel Rotwein und 80er Jahre Jump-and-Run-Spiele vor dem Schlafengehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verdammt. Rechts oder links? Er blickte in zwei lange, dunkle G\u00e4nge. Schwei\u00dfperlen standen ihm auf der Stirn. Hinter sich h\u00f6rte er ein dumpfes, drohendes Schaben und Schrammen an den W\u00e4nden, das sich langsam und unaufh\u00f6rlich n\u00e4herte. Rechts oder links. Er musste sich jetzt entscheiden. 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